Hunde aus dem Tierheim: Worauf man sich einstellen muss

Hunde aus dem Tierheim können aufwendige Krankheiten und starke Verhaltensstörungen haben. Wenn Sie einen Hund aus dem Tierheim holen möchten, sollten Sie gerade (aber nicht nur) am Anfang viel Zeit und Geduld mitbringen.

Es gibt natürlich auch ganz unkomplizierte Hunde aus dem Tierheim, aber: Wer einen Hund aus dem Tierheim aufnimmt, muss damit rechnen, dass er zum einen körperlich angeschlagen ist, zum anderen dass er Verhaltensstörungen zeigt.

Tierheimhunde: Krankheiten

Im Tierheim werden meist die offensichtlichen physischen und psychischen Gebrechen erkannt und behandelt: Wunden von Schlägen, Gehbehinderungen und so weiter. Aber nicht jede Krankheit ist sofort erkennbar. Manches zeigt sich erst nach und nach: Hunde, die in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen sind, zum Beispiel von Obdachlosen gehalten wurden sind als Welpen oft bei jedwedem Wetter draußen gewesen, ob feucht oder bitterkalt, sie mussten mit ihren Herrchen und Frauchen in zugigen Bahnhöfen übernachten. Dass hierdurch besonders in der Wachstumsphase körperliche Beeinträchtigungen entstehen, leuchtet unmittelbar ein, zum Beispiel Rheuma oder verschleppte Krankheiten aus der Hunde-Kindheit. Falsche oder Mangelernährung können Probleme beim Knochenaufbau verursachen.

Öfter als man vermutet, werden Hunde aber auch abgegeben oder ausgesetzt, weil sie krank sind und dies für den Halter zu viel Umstände macht oder zu teuer ist oder weil der Hund nicht den Vorstellungen des Besitzers entspricht. Arthrose oder Diabetes zum Beispiel kommen auch bei Hunden vor - und benötigen auch bei ihnen teure Behandlungen. Bei Aufnahme im Tierheim wird immer eine gründliche Veterinäruntersuchung durchgeführt. Ein Interessent wird selbstverständlich auf gesundheitliche Probleme hingewiesen - das ist einer der Vorteile, wenn man einen Hund aus dem Tierheim holt. Dort wird man besonders auf alle Störungen hingewiesen, manchmal sogar bei der Behandlung oder bei der Erziehung unterstützt. Privatpersonen, die ihren Hund abgeben wollen, verschweigen dagegen Nachteile gerne, weil sie ihn ja nicht “loswerden”.

Hunde aus dem Tierheim: Verhaltensstörungen

Doch wichtiger als körperliche Gebrechen sind fast immer die seelischen Störungen des Tierheim-Hundes. Er wurde misshandelt, geschlagen, ausgesetzt, im besten Fall hat er “nur” einen Besitzerwechsel hinter sich oder ist unerzogen. Hunde aus dem Tierheim benötigen daher sehr viel Geduld, Zeit - und auch Kenntnisse und Erfahrungen. Im Tierheim werden viele Dinge, die erfahrungsgemäß Probleme machen, ausprobiert: Zusammensein mit anderen Hunden, Katzen, Kindern, Spaziergänge, das Führen an der Leine, Gehorsam und so weiter. Die Tierpfleger machen Sie bereits bei Ihrem Besuch im Tierheim auf diese erkannten Verhaltensprobleme aufmerksam.

Aber manche Marotten und Verhaltensstörungen zeigen sich erst später oder nur in ganz bestimmten angstbesetzten Situationen. Hunde, die Angst haben, reagieren entweder ängstlich mit Flucht oder - nach dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung” - mit Beißen. Ein Hund, der bei Drogenabhängigen gelebt hat, ist zwar meist extrem pflegeleicht, straßensicher, lässt sich überall problemlos mitnehmen - aber oft hasst er oder hat panische Angst vor Betrunkenen und vor Menschen, die erkennbar nicht nüchtern handeln.

Eines der häufigsten Probleme stellt beim Rudeltier Hund das Alleinsein dar - und ein Hund, der von seinem Besitzer bereits einmal verlassen wurde, hat damit verständlicherweise eher Probleme als ein “normaler”. Wenn irgend möglich sollte ein Hund aus dem Tierheim daher in der ersten Zeit gar nicht allein zu Hause bleiben müssen. Tierheim-Hunde benötigen außerdem Zeit - wer im Vollzeit-Beruf komplett eingespannt ist, sollte sich daher keinen Hund aus dem Tierheim holen.

Tipps

  • Behutsamer, vorsichtiger Umgang, damit Sie und Ihr neuer Mitbewohner sich erst einmal wirklich kennen lernen.
  • Alleinsein nach und nach üben (zuerst kurz nach draußen gehen, dann fünf Minuten, dann zehn …). Hund vorher auspowern. Rituale einführen (Leckerchen, Eierkartons zum Zerfetzen …). In der ersten Zeit nicht alleine lassen (Urlaub nehmen!).
  • Geduld, um sein Vertrauen zu gewinnen.